Auschwitzgedenken – Antisemitismus an der Wurzel bekämpfen!

Anlässlich des heutigen Auschwitz-Gedenktages veröffentlichen wir einen Artikel aus unserer aktuellen Ausgabe des „Roten Leuchtturms“. Etwa 100 Personen nahmen an der Veranstaltung im Rosengarten teil.

Wenige Stunden nach dem Terroranschlag eines Neofaschisten auf eine Synagoge in Halle am 9. Oktober versammelten sich in Rostock rund 50 Menschen zu einer Mahnwache, um der beiden Opfer der Bluttat zu gedenken und ihrer Solidarität mit der jüdischen Gemeinde Ausdruck zu verleihen. Der Vorsitzende der Gemeinde, Juri Rosov, wies darauf hin, dass die Gemeinden in Rostock und in Halle eng miteinander verbunden seien.

In Halle war eher durch Zufall – dem Täter gelang es nicht, die Eingangstür der Synagoge zu öffnen, in der Dutzende Gläubige Jom Kippur feierten – ein noch weitaus größeres Massaker verhindert worden. Die Landesregierung Sachsen-Anhalts hatte sich geweigert, Bitten der jüdischen Gemeinde um Polizeischutz nachzukommen. Dass Innenminister Stahlknecht (CDU) nach dem Anschlag gleichwohl zu dem Ergebnis kam, die ihm unterstehenden Sicherheitsbehörden hätten korrekt gehandelt, bewertet der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, als „irritierend“; der Minister habe sich „unzutreffend“ geäußert.

Die Vorgänge in Halle erinnern an das ebenfalls antisemitisch motivierte Massaker in einer Synagoge in Pittsburgh ein Jahr zuvor, das elf Menschen das Leben kostete. Gleichzeitig steht der Angriff auf die jüdische Gemeinde Halles in einer Reihe mit einigen gegen Juden gerichteten Mordanschlägen in verschiedenen europäischen Ländern, v. a. in Frankreich, wo seit 2006 zwölf Menschen als Juden ermordet wurden. Djihadistische und „klassisch“ faschistische Kreise sind sich – bei allen Unterschieden, ja Gegensätzlichkeiten – einig in einem militanten Judenhass, der sich auch hier wieder in zahlreichen Gewaltakten zeigte.

Das alarmierende Nichthandeln staatlicher Behörden in Halle ist hierbei kein Einzelfall. Kurz zuvor hatte ein junger Mann, mit einem Messer bewaffnet, versucht, in eine Berliner Synagoge einzudringen. Da die Generalstaatsanwaltschaft keine Haftgründe vorliegen sah, wurde er rasch aus dem Gewahrsam entlassen – was der Zentralrat der Juden als „unfassbar“ betrachtet –, inzwischen ist er untergetaucht.

Als Antifaschisten sind wir uns dessen bewusst, was es bedeutet, wenn selbst bürgerlich-rechtsstaatliche Mindeststandards bei der Bekämpfung antisemitischer Gewaltkriminalität nicht (mehr) zur Geltung gebracht werden. Die Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung ist eng verknüpft mit dem Kampf für die demokratischen Rechte der Juden. In diesem Sinne strich Lenin heraus, dass der Judenhass in der jungen Sowjetunion flächendeckend zu ächten sei: „Der Rat der Volkskommissare weist alle Deputiertenräte an, entschiedene Maßnahmen zu ergreifen, um die antisemitische Bewegung mit der Wurzel auszurotten.“

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