UZ: Ich war, ich bin, ich werde sein!

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Fronttransparent der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration

Mitten im Feuer der Novemberrevolution wurde unter Führung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in Berlin um die Jahreswende 1918/1919 die Kommunistische Partei Deutschlands gegründet. Die Konterrevolution erkannte die Gefahr, die ihr mit der Gründung der KPD entstanden war. Mit der Rückendeckung rechter sozialdemokratischer Führer ging die imperialistische Reaktion dazu über, den Mord an den Führern der KPD zu organisieren.
Zunächst wurde unter dem Deckmantel scheinheiliger Parolen zur angeblichen Wahrung von Ordnung und Sicherheit, zur Verhinderung von Anarchie eine unvorstellbare Mordhetze entfacht. Von den Anschlagsäulen und aus den Spalten der konterrevolutionären Blätter schrie es in den blutigen Januartagen 1919 in Berlin: „Schlagt ihre Führer tot! Tötet Liebknecht!“ Die von den rechten sozialdemokratischen Führern, wie Ebert und Scheidemann, noch zu Beginn der Novemberrevolution zur Irreführung der Massen gemachten Versprechungen über Demokratie und bürgerlichen Parlamentarismus wurden durch den weißen Terror endgültig als Phrasen entlarvt. Nun zeigte die Konterrevolution ihr blutiges Gesicht. Trotz aller Verfolgungen und des grausamen Terrors in den Januartagen 1919 arbeiteten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg weiter. Es wurde auch dafür gesorgt, dass unter ihrer Redaktion die Zeitung „Die Rote Fahne“ weiter erscheinen konnte. In seinem letzten Artikel, „Trotz alledem!“, der am Tage seiner Ermordung erschien, schrieb Karl Liebknecht prophetisch die Worte: „Die Geschlagenen von heute werden die Sieger von morgen sein. Denn die Niederlage ist ihre Lehre … Noch ist der Golgathaweg der deutschen Arbeiterklasse nicht beendet – aber der Tag der Erlösung naht …. Himmelhoch schlagen die Wogen der Ereignisse – wir sind es gewohnt, vom Gipfel in die Tiefe geschleudert zu werden. Aber unser Schiff zieht seinen geraden Kurs fest und stolz dahin bis zum Ziel.
Und ob wir dann noch leben werden, wenn es erreicht wird – leben wird unser Programm; es wird die Welt der erlösten Menschheit beherrschen. Trotz alledem!“ Und Rosa Luxemburg schrieb in ihrem letzten Artikel, an die Konterrevolution gewandt: „Ordnung herrscht in Berlin! Ihr stumpfen Schergen! Eure ´Ordnung´ ist auf Sand gebaut. Die Revolution wird sich morgen schon – rasselnd wieder in die Höh´ richten und zu eurem Schrecken mit Posaunenklang verkünden: Ich war, ich bin, ich werde sein!“ Am Abend des 15. Januar 1919 fielen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in ihrem illegalen Quartier im Berliner Stadtbezirk Wilmersdorf, Mannheimer Straße 43, den Häschern in die Hände. Wilhelm Pieck hatte beide noch nachmittags besucht, um mit ihnen über die Gefahr zu sprechen, die der von Gustav Noske erlassene Befehl zur Durchsuchung der Wohnungen heraufbeschworen hatte. Wilhelm Pieck versprach beiden, noch am gleichen Tag falsche Ausweispapiere zu besorgen, denn man konnte damit rechnen, „dass die Soldaten, die die Wohnung durchsuchten, Karl und Rosa nicht gerade vom Ansehen her kannten. Ich fuhr deshalb sofort nach Neukölln, um dort bei befreundeten Genossen nach passenden Legitimationspapieren zu suchen.“Nelke
Als Wilhelm Pieck abends zurückkam, waren Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg schon verhaftet. Während Karl Liebknecht sofort ins Eden-Hotel, das Stabsquartier der konterrevolutionären Garde-Kavallerie-Schützendivision, abtransportiert worden war, befand sich Rosa Luxemburg noch unter Bewachung in der Wohnung. Wilhelm Pieck wurde ebenfalls verhaftet. Anschließend brachte man Rosa Luxemburg und Wilhelm Pieck ins Eden-Hotel. Die beiden Arbeiterführer wurden kaltblütig und ohne jeden Skrupel ermordet. In dem Buch „Vier Jahre politischer Mord“ wurde später eine detaillierte Schilderung der Ermordung auf Grund der protokollierten Aussagen im Prozess gegeben: „Karl Liebknecht wurde aus dem Hotel in ein Auto geführt. Der Jäger Runge schlug ihm darauf zweimal von hinten mit dem Kolben auf den Kopf. Liebknecht sank halb bewusstlos zusammen. Die Offiziere saßen und standen um Liebknecht herum, ohne die Schläge zu verhindern. Das Kommando bestand aus den Offizieren Horst v. Pflugk-Harttung, Stiege, Liepmann, v. Ritgen, Schulze, Heinz v. Pflugk-Harttung und dem Jäger Clemens Friedrich, alle natürlich schwer bewaffnet.
An Stelle nach Moabit fuhr das Auto am Neuen See entlang in der Richtung nach der Charlottenburger Chaussee. An einer Stelle, wo ein völlig unbeleuchteter Fußweg abging, erlitt das Auto angeblich eine Panne. Liebknecht, der durch die Schläge auf den Kopf noch ganz benommen war, wurde gefragt, ob er noch gehen könne. Zwei Leute stützten ihn rechts und links, zwei gingen vor und zwei hinter ihm. Alle mit entsicherten Pistolen und Handgranaten bewaffnet. Nach wenigen Schritten wurde Liebknecht, angeblich weil er einen Fluchtversuch machte, erschossen. Den ersten Schuss gab Kapitän v. Pflugk-Harttung ab. Nach der Tat war das Auto wieder gebrauchsfähig. Dann wurde die Leiche als ´unbekannt´ (auf der Rettungswache im Zoologischen Garten – H. V.) eingeliefert.
Als Rosa Luxemburg durch den Haupteingang fortgeführt wurde, stand derselbe Runge an der Tür. Hauptmann Petri hatte Befehl gegeben, man solle dafür sorgen, dass die Luxemburg nicht lebendig ins Gefängnis komme (Denkschrift des Vollzugsrates). Als Frau Luxemburg durch die Türe kam, schlug Runge ihr zweimal auf den Kopf, so dass sie umsank. Der den Transport führende Oberleutnant Vogel hatte nichts dagegen getan. Man schob Frau Luxemburg in den Wagen. Als der Wagen abfuhr, sprang ein Mann hinten auf und schlug sie mit einem harten Gegenstand auf den Kopf. Unterwegs schoss Oberleutnant Vogel der Frau Luxemburg noch eine Kugel durch den Kopf. Man fuhr zwischen Landwehrkanal und Zoologischem Garten entlang. Am Landwehrkanal stand eine Gruppe Soldaten. Das Auto hielt, die Soldaten warfen die Leiche auf Befehl Vogels in den Kanal.
Die am Mord Beteiligten ließen sich am Tage danach bei einem Gelage fotografieren.“ Die Gerichtsorgane der Weimarer Republik zogen die Mörder nicht zur Verantwortung. Erst unter dem Protest der Massen sah sich die Regierung Scheidemann veranlasst, überhaupt etwas zu unternehmen. Unter dem fadenscheinigen Vorwand, es wäre ein „unberechtigtes Eingreifen“ in die Militärgerichtsbarkeit, lehnte sie es jedoch ab, die Mörder vor ein Sondergericht zu stellen. So wurden sie vor ein Gericht ihrer eigenen Mörderdivision gestellt.
Der Ausgang des Verfahrens war von Anfang an klar. Die meisten der am Mord Beteiligten wurden „wegen Mangels an Beweisen“ freigesprochen …

Text: Heinz Voßke, Geschichte der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde, Berlin 1982
Bilder: Demonstration 2013
Infos: www.dkp-mv.de/LL

Quelle: www.unsere-zeit.de

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