Armut konkret: Lehrjahre sind keine Herrenjahre?

Im Handwerk wird oft behauptet, ein Lehrling tauge erst im 3. Lehrjahr, weil erst dann ein Beitrag zur Produktion geleistet werde. Ich sehe das anders. Selten wird Azubis Grundlegendes beigebracht. Oft wird man mit denselben Arbeitsgängen konfrontiert, und obwohl diese Arbeit fürs Ergebnis wichtig ist – wie die der Fachkräfte -, wird sie nicht entsprechend entlohnt. Nach IG Metall-Tarif erhält ein Azubi im Tischlerhandwerk im 1. Lehrjahr 566 €, im 2. 701 € und im 3. 860 € – Pech, dass die Mehrheit der Tischlereien nicht tarifgebunden ist. Die meisten Azubis verdienen bis zu 20 % weniger. Mit 453 € gibt’s keine finanzielle Absicherung. Von diesem Geld sollen der Arbeitsweg, Miete und Lebensmittel finanziert werden. Viele von uns wohnen noch bei den Eltern, dabei ist es nicht verwerflich, finanzielle Unabhängigkeit einzufordern. Sehen wir die steigenden Mieten, kann man froh sein, wenn man eine Bude für 250 € bekommt. Notgedrungen können 20-50 € für Lebensmittel genügen. Für viele ist die Berufsschule viele Kilometer entfernt. Bei Berufsschulinternaten, in denen man unterkommen kann, ist der Preis geringer, beläuft sich aber trotzdem auf knapp 50 €/Woche. Bei 3 aufeinanderfolgenden Berufsschulwochen läuft die heimelige Miete weiter und muss bezahlt werden. Arbeitgeber und Berufsschulen meinen, es gebe Unterstützung, vergessen aber, dass diese Grenzen hat: Die Berufsausbildungsbeihilfe ist abhängig vom Einkommen der Eltern. Der Fördertopf des Bildungsministeriums ist begrenzt auf ein max. Bruttoeinkommen von 600 €. Arbeitgeber geben nicht freiwillig etwas vom Profit ab. Erste Anlaufstelle ist die IG Metall, auch für Azubis. Mehr Gewerkschaft bedeutet Druck auf die Chefetage. Die DKP unterstützt alle Azubis bei ihrem Einsatz für bessere Lehr- und Arbeitsbedingungen.

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