Wer rettet uns vor dem Retter?

Die seltsamen Ansichten des Olaf Scholz über Ostdeutschland

Endlich! Wir schreiben das Jahr 32 nach der „Wende“ – und drei Monate bis zur Bundestagswahl. Olaf Scholz hat wieder einmal den Osten entdeckt. Beim Ostkonvent der SPD fordert er „Anerkennung und Respekt“ für die „hiesige Lebensleistung“ (SVZ v. 31.5.2021). Und von wem fordert er das? Natürlich von den Wessis, von den Siegern, von wem sonst.

Oha. Fordert der Mann tatsächlich die Anerkennung der Leistungen der DDR und den Respekt vor dem sozialistischen Aufbau? Um Himmels willen, nein. Gibt’s wenigstens gleiche Löhne und Renten wie im Westen? Ach, Leute, Ihr denkt doch immer nur ans Geld. Nein, die SPD denkt „BIG“, sie denkt wie immer in Richtung Zukunft!

Ein „Zukunftszentrum“ soll im Osten entstehen! Dort soll „vor- und nachgedacht“ werden, wie „gesellschaftliche Transformationen“ besser bewältigt werden können. Herr Scholz will das Wagnis eingehen, die „Umbruchskompetenz der Ostdeutschen“ stärker zu nutzen! Und hört: „Zur inneren Versöhnung unserer Gesellschaft“!

Dem Morgenrot entgegen!

Nein, nein, stopp. Es geht dem SPD-Mann nicht um 1949. Es geht NUR um die „Umbruchskompetenz“ der letzten 30 Jahre. Punkt! Also wie man überlebt, wenn flächendeckend „Lebensleistung“ und Industrie plattgemacht werden? Wie man sich verbiegen muss, wenn man aus einer halbwegs intakten Gemeinschaft ins Raubtierhaus des Finanzkapitalismus geworfen wird? Wie man das im Kopf aushält, wenn plötzlich das Rad der Geschichte um 100 Jahre zurückgedreht wird?

„Vorsprung Ost“! Und ohne einen Mucks! Zur Belohnung aller Wendigen gibt’s jetzt von den Sozialdemokraten das unglaublich originelle Zückerchen: „Zukunftstechnologien“. Ja echt, Wasserstoffzeitalter… Elektroauto… alternative Energien… da geht’s ab, danach lechzen doch unsere Brüder und Schwestern im Osten!

Im Westen nichts Neues. Immer, wenn diese verkehrte Gesellschaftsform nicht weiterweiß, hilft ihr der Glaube. Früher an „Kaiser und Vaterland“; heute der Glaube, alle sozialen Konflikte und Gebrechen seien mit „neuen Technologien“ zu kurieren.

Zur „inneren Versöhnung unserer Gesellschaft“, lieber Herr Scholz, kennen wir im Osten ganz andere Wege.

close

Newsletter abonnieren!

Kommentare sind geschlossen.