Hermann Scheer ist tot

Ich habe ihn nicht persönlich gekannt; er war nie mein Genosse in meiner Partei. Trotzdem hat mich seine Todesnachricht derart erschüttert, in dem ich glaubte, einen Freund verloren zu haben.
Hermann Scheer war nie Kommunist, stets aber ein aufrechter Sozialdemokrat, von denen es so wenige in führenden SPD-Positionen gibt. Ein wenig Ähnlichkeit glaubte ich stets zu Oscar Lafontaine festzustellen.
Ein SPD-Mann, der Kriege, die seine Partei und auch die Grünen mitgetragen und zu verantworten haben, öffentlich das nannte, was sie wirklich sind: Verbrechen! Besonders den Krieg im Kosovo geißelte er als Kriegsverbrechen.
Immer auf der Seite der Verlierer dieser Gesellschaft, kämpfte er gegen das Finanzkapital und nannte diese internationale Daseinsform des Kapitalismus auch das was sie war: Imperialismus!
Seine Nähe zu anderen Linken in und um der SPD waren Kapitalismusretter wie Schröder, Müntefering, J. Fischer u.w. ein Dorn im Auge und sie versuchten immer wieder ihn aus dem politischen Leben auszuschalten.
Er stand vielen linken Politikansätzen positiv gegenüber, für das anbiedern der PDS (PDL) an die derzeit Herrschenden, hatte er nur Verachtung übrig.
Als hervorragender Analytiker der gesellschaftlichen Prozesse unserer Zeit beschämte er besonders die Kleingeister in seiner Partei und auch viele ideologische Wendehälse in der PDS fühlten sich getroffen.
Auch wenn er nie ein Grüner war, so zeigte er doch, wie man als Linker aktive ökologische Politik für den Menschen realisieren kann. Eines seiner Projekte, das Hunderttausend-Dächer-Programm“ mag dafür stehen. Bis zuletzt kämpfte er gegen die Atomlobby. Er war so etwas wie ein politischer Aktionspartner für uns.
Er wurde nur 66 Jahre alt. Die politischen Persönlichkeiten der BRD werden immer weniger.
Schon Oscar fehlt uns auf der politischen Bühne der BRD; nun der Hermann auch noch.

Bernd Heidmann

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