Gründung der DKP Rügen

Diesen Beitrag haben wir am 19.01.2014 von der ehemaligen Internetseite der DKP Rügen in unser Archiv übernommen.

Am Samstag, den 21. Juni 2008 gründete sich in Poseritz auf Rügen eine Ortsgruppe der DKP. Vertreter der DKP-Gruppen aus Neubrandenburg und Berlin sowie der Landessprecher von Solid Mecklenburg-Vorpommern waren vor Ort und nahmen an der von Optimismus und Solidarität geprägten Veranstaltung teil. Vor der eigentlichen Gründung wurden von den Gästen Referate u.a. zur Geschichte der DKP und zu Aspekten der Bündnispolitik der Partei gehalten, die in der Gruppe rege diskutiert wurden. Im Folgenden dokumentieren wir ein Interview mit dem gewählten Vorsitzenden der DKP Rügen, Genosse Mathias Adomeit.

UZ: Herzlichen Glückwunsch zur Gruppen-Gründung. Ist es nicht schwierig, in einem so ausgesprochenen Touristenziel wie Rügen es darstellt marxistische Politik zu vertreten?

Mathias Adomeit: Wir empfinden diese Frage nicht als vorrangig. Rügen gehört zu Mecklenburg-Vorpommern. Und Fakt ist, Mecklenburg-Vorpommern ist das Niedriglohnland Nummer 1 in Deutschland und gekennzeichnet von prekären Beschäftigungsverhältnissen. Die Mehrheit der hier vorhandenen Jobs liegt unter dem vom DGB geforderten Mindestlohn.

UZ: Stichwort DGB. Warum sind die Arbeiter in Meck-Pomm so relativ schlecht in Gewerkschaften organisiert?

Mathias Adomeit: Hier gibt es kaum Betriebe, die tariflich gebunden sind. Darüber hinaus ist MV die Region, die sehr stark durch die starke De-Industrialisierung nach der Konterrevolution betroffen ist. Mecklenburg-Vorpommern war zu DDR-Zeiten geprägt vom verarbeitenden Gewerbe, das nach dem Sieg der Konterrevolution weg gebrochen ist. Rügen gehörte zu DDR-Zeiten zu den bedeutendsten Umschlagplätzen für den Güterverkehr. Traditionell war es stark angebunden an die Linie Sassnitz-Klaipeda (heute Litauen). Heute ist es eher der Dienstleistungssektor, der hier stark von prekären Beschäftigungsverhältnissen geprägt wird.

UZ: Rügen – also nicht das Urlaubsparadies? Was könnt Ihr als DKP-Gruppe hier leisten?

Mathias Adomeit: Die oberste Priorität hat für uns die Erhöhung der Mitgliederzahlen. Konzentrieren wollen wir uns dabei auf die am meisten von der herrschenden Politik ausgegrenzten Bevölkerungsteile.

UZ: Das hört sich ja gut an. Wo liegen aber die Schwierigkeiten?

Mathias Adomeit: Wir müssen die von den Herrschenden gewünschte politische Passivität zu durchbrechen versuchen und die Menschen wieder mit politischem Bewusstsein füllen. Andererseits sind wir personell dünn besetzt, sodass unser vorrangiges Ziel ist, neue Mitglieder für die Parteigruppe zu gewinnen und sie aktiv einzubringen, um die bevorstehenden Aufgaben zu meistern.

UZ: Welche Zielgruppe seht ihr vorrangig?

Mathias Adomeit: Betroffene im Niedriglohnsektor und von Hartz IV sowie von der Gesellschaft Benachteiligte. Die Desillusionierten wollen wir mit Bewusstsein füllen, teilweise um ihnen überhaupt ein neues Lebensgefühl zu vermitteln. Wir wollen Genossen im Leninschen Sinne erziehen, die nicht nur ihre freien Nachmittage für die Partei widmen, sondern ihr ganzes Leben.

UZ: Das sind ja hoch gesteckte Ziele. Wie wollt Ihr das erreichen?

Mathias Adomeit: Wir kennen uns ja alle schon seit langem. In unserem täglichen Leben wollen wir unsere Werte ausstrahlen. Wir wollen Solidarität weitergeben. Unsere Genossen sind nicht nur partielle Arbeitskollegen, sondern werden wie Familienmitglieder behandelt. Bürgerliche Werte stehen bei uns nicht im Vordergrund. Tief verwurzelt im Proletariat wollen wir auf Augenhöhe mit den Arbeitern von Rügen reden. Außerdem wollen wir alte Wahrheiten selbstbewusst aussprechen, auch wenn der Imperialismus es geschafft hat, gut und böse zu verwischen und die Werte der Menschen zu verformen. Unser Kompass dabei ist der Marxismus-Leninismus und der Proletarische Internationalismus.

UZ: Was heißt das konkret?

Mathias Adomeit: Demnächst entwerfen und verbreiten wir ein Flugblatt, das speziell auf die proletarischen Schichten zugeschnitten ist, ihre momentanen Probleme aufgreift und ihnen den Weg aus Elend und Resignation aufzeigt.

UZ: Danke für das Interview. Ich wünsche Euch Kampfgeist und Glück für die Zukunft.

Quelle: Unsere Zeit (UZ) – Zeitung der DKP vom 4. Juli 2008, ungekürzte Fassung

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