Ehre den Befreiern! Widerstand den Nazis!

Auch in Rostock wurde in den Tagen um den 8. Mai herum in vielfältiger Weise der Befreiung vom Hitlerfaschismus – oder, in anderer Perspektive, der „Besetzung Deutschlands“ (so die CDU Rostock) – gedacht. Die DKP und die SDAJ Rostock wirkten neben anderen antifaschistischen Organisationen daran mit, zwischen dem 1. und dem 9. Mai in einer Reihe öffentlicher Gedenkveranstaltungen die Befreier zu ehren und das Vermächtnis des Sieges über den deutschen Faschismus in Erinnerung zu rufen. Bereits im Vorfeld wurde „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus“ plakatiert. Mitglieder von DKP und SDAJ nahmen am 1. Mai, dem Tag der Befreiung Rostocks, an der Ehrung der sowjetischen Befreier im Rahmen einer Kranzniederlegung an der ehemaligen Neptunwerft teil, in welcher Zwangsarbeiter für die Rüstung ausgebeutet wurden.

Am 8. Mai um 10 Uhr haben wir uns an der Einweihung des neuen Gedenksteins der Opfer des Faschismus als Ort der Erinnerung an die Opfer und Verfolgten des Naziregimes“ durch die Hansestadt Rostock beteiligt.

In der Innenstadt wurden UZ (Unsere-Zeit – Zeitung der DKP) und unsere Landeszeitung verteilt.  Auf der Gedenkkundgebung der VVN-BdA und der Jüdischen Gemeinde auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof am Puschkinplatz sprachen dann am Nachmittag des 8. Mai neben Marie-Louise Hänsel (VVN-BdA) und dem 1. Botschaftsrat der Botschaft der Russischen Föderation Kulturattaché Sergej Maguta auch die Vorsitzende der Bürgerschaftsfraktion der Partei Die Linke, Eva-Maria Kröger, für das Rostocker Friedensbündnis Cornelia Mannewitz und für die DKP Rostock Daniel L. Schikora (Redebeitrag). Die Gedenkkundgebung fand mit dem Aufsteigen von Friedenstauben einen eindrucksvollen Abschluss.

Am selben Tag beteiligten sich DKP- und SDAJ-Mitglieder am antifaschistischen Protest und der Blockade gegen den jährlichen Neonazi-Aufmarsch im mecklenburgischen Demmin.
Am 9. Mai trat schließlich der DKP-Vorsitzende Patrik Köbele als Referent einer Veranstaltung des RotFuchs e. V., der VVN-BdA, der DKP, der SDAJ und anderer antifaschistischer Organisationen auf. Köbele kontrastierte die Jahrzehnte andauernde gedenkpolitische Identifikation des westdeutschen Staates, „in dem wir heute alle leben müssen“, mit dem Hitlerfaschismus: „Es war die Rede davon, dass wir den Krieg verloren haben. Dieses gräsliche ‚wir‘!„, mit der antifaschistischen Selbstverpflichtung der DDR. Der seitens der Herrschenden übel beleumdete „verordnete“ Antifaschismus der DDR hätte, solange diese bestand, nicht nur auf ihrem Territorium, sondern auch auf dem der BRD z. B. staatlich gedeckte neofaschistische Provokationen, wie sie heute im öffentlichen Raum alltäglich sind, als regelrecht unmöglich erscheinen lassen. Köbele erinnerte daran, dass die gesellschaftliche Macht derselben monopolkapitalistischen Akteure, die durchgehend als Träger des deutschen Faschismus aufgetreten waren, in Westdeutschland wiederhergestellt wurden und bis heute, nunmehr im gesamten Deutschland, fortbestehe.

Ohne den von ihm ausdrücklich gewürdigten opferreichen Widerstand auch von Nichtkommunisten gegen den Faschismus kleinzureden, hob der Referent die herausgehobene Rolle der kommunistischen Parteien in den verschiedenen (nationalen und internationalen) Phasen des Kampfes gegen den deutschen Faschismus hervor. Er legte dar, dass es hierbei nicht darum gehen könne, Fehler, die Kommunisten zu verantworten hätten, zu leugnen, sondern vielmehr darum, einer gezielten Herabwürdigung der historisch entscheidenden Bedeutung des kommunistischen Antifaschismus entgegenzutreten. In diesem Kontext warnte Köbele davor, vorschnell auf Lenins Imperialismus-Analyse zurückgehende Erkenntnisse zu verwerfen. Der deutsche Imperialismus, der das imperialistische Bündnis EU führe und auch innerhalb der EU immer offener aggressiv auftrete, bleibe der Hauptfeind.

Die Veranstaltung wurde musikalisch eingerahmt durch den Chor der Volkssolidarität mit Kindern der Jüdischen Gemeinde sowie durch den Liedermacher Achim Bigus, der dem Publikum einen interessanten Einblick in den Traditionsbestand der internationalen antifaschistischen Bewegung zwischen 1933 und 1945 präsentierte.

Abschließend wurden hunderte Exemplare des „Roten Leuchtturms“ in Lichtenhagen gesteckt.

Daniel L. Schikora

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