Die Geschichte der KPD in Greifswald

Im Jahr 1919 wurden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg von der deutschen Reaktion ermordet. Sie fielen der verräterischen MSPD-Politik zum Opfer, genau wie tausende Arbeiterinnen und Arbeiter in den Jahren danach. Sie paktierten mit dem deutschen Großkapital, dass schon für genug vergossenes Arbeiterblut verantwortlich ist. Beispiele gibt es dafür genug: Der Kapp-Putsch, die Machtübertragung auf Hitler oder hier sei noch mal der 1. Mai 1929 erwähnt, an dem der sozialdemokratische Polizeipräsident Karl Friedrich Zörgiebel auf Arbeiterinnen und Arbeiter schießen ließ. 1953 erhielt dieser Verbrecher das Bundesverdienstkreuz!

Ähnliche Szenen spielten sich auch in Greifswald ab. Deshalb hier unser Beitrag zur Stadtgeschichte:

Die Geschichte der KPD in Greifswald

Am 10. November 1918 wurde ein Greifswalder Arbeiterinnen- und Soldatenrat gegründet. Ein Tag darauf zieht ein großer Demonstrationszug durch die Stadt, wie ihn Greifswald bis dahin wohl noch nicht gesehen hatte. Arbeiter und Arbeiterinnen, Matrosen und Soldaten, Werktätige aller Berufszweige ziehen zum Markt. Von den öffentlichen Gebäuden, dem Landratsamt und Rathaus, der Post, dem Bahnhof und auch der Universität wehen rote Fahnen. Die Mehrheitssozialdemokraten verrieten dabei die Interessen der Bevölkerung und paktierten mit den monarchistischen Freikorps um die Revolution zu bekämpfen.

Auch in Greifswald gründeten sich neue Parteien um die Situation in den Griff zu bekommen. Die Deutschnationale Volkspartei, die Deutsche Volkspartei und die Deutsche Demokratische Partei sind nur wenige Parteien, die damit auch der revolutionären Situation entgegen wirken wollten. Hierbei stellte sich der Greifswalder Universitätsprofessor Prof. Karl Polenske am 5. Dezember 1918 gegen diese Absichten und bezeichnete die Spartakusgruppe als „die wahre Verfechterin der sozialdemokratischen Ideale“. Bereits im Dezember 1918 traten viele aus der Greifswalder MSPD aus um die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) in Greifswald zu gründen. Hermann Rohwedder, Wilhelm Tietz oder Wilhelm Hoppach sollten gerade in Greifswald für die Organisierung dieser USPD bekannt sein.

Am 1. Januar 1919 gründete sich in Berlin die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) um den Kampf der Spartakusgruppe für Demokratie und soziale Gerechtigkeit zu intensivieren. In Greifswald fand eine kommunistische Diskussionsgruppe zusammen. Dennoch wurden am 19. Januar 1919 Wahlen zur Nationalversammlung abgehalten. In Greifswald erhielt die USPD 33 Stimmen. Die SPD konnte in Greifswald 42,1 % auf sich vereinigen. Am 1. Mai 1919 konnten zum ersten Mal Arbeiterinnen und Arbeiter frei für Bekenntnisse gegen Imperialismus, für Völkerfrieden und die „menschheitsbefreiende Weltrevolution“ auf dem Greifswalder Markt demonstrieren.

Bernhard Röhl, Karl Hagemann, Otto Rapphahn und Ehrenreich Voigt gehörten zu denjenigen, die eine KPD Ortsgruppe am 9.Oktober 1919 auch in Greifswald gründeten. Viele Mitglieder der vorhin genannten Diskussionsgruppe traten auch in die Greifswalder KPD ein. Unterstützung erhielten sie von Karl Schulz, dem engagierten Organisator für KPD-Gruppen in ganz Pommern. Die KPD Greifswald umfasste zum Jahresende 30 Mitglieder.

Die größte Bewährungsprobe der KPD Greifswald fand am 13. März 1920 statt. Wolfgang Kapp, ehemals kaiserlicher Militär und Repräsentant ostelbischer Großagrarier, des reaktionärsten Flügels der herrschenden Klasse, zog mit seinen Truppen in Berlin ein. Sein Ziel war es die demokratischen Errungenschaften der Novemberrevolution zu beseitigen und eine Militärdiktatur einzurichten. In Greifswald bekannte sich der Garnisonskommandeur Major von Hammerstein zu den Putschisten und zog Teile der Greifswalder Bürgerwehr auf seine Seite. Innerhalb weniger Tage organisierte sich überall in Deutschland eine breite Kampffront fortschrittlicher Menschen. In Greifswald organisierte sich in der Hansahalle eine Arbeiterversammlung in der die Freilassung inhaftierter Landarbeiter gefordert wurde. Militärfahrzeuge mit Maschinengewehren fuhren auf und drohten mit gewaltsamer Auflösung. Der Aufruf der KPD, sich nicht provozieren zu lassen und die Beratung zu Ende zu führen, vermied ein Blutbad. Ein Aktionsausschuss der Arbeiterparteien wurde gebildet. Ihm gehörten Vertreter der KPD (Wilhelm Böttcher), der SPD (Karl Olp, Hermann Radack, Wilhelm Schulz) und der USPD (Fritz Rieck, Wilhelm Tietz) an. Durch dieses einheitliche Handeln konnten die Putschisten am 17. März zur Aufgabe gezwungen werden. Am 18. März 1920 wurde dennoch der Generalstreik vom Aktionsausschuss ausgerufen. Viele Ortschaften um Greifswald folgten. Der Aktionsausschuss beschloss den bewaffneten Kampf aufzunehmen. Am 18. und 19. März kam es zu ersten bewaffneten Auseinandersetzungen. Von Greifswald bis Ludwigsburg wurde gekämpft. Der achtzehnjährige Landarbeiter Bruno Jackley geriet dabei schwerverwundet in die Hände der Freikorps und wurde ermordet. Am 20. März wurden die Forderungen des Aktionsausschusses bekannt gegeben: Entwaffnung und Auflösung der Zeitfreiwilligen- und Einwohnerwehren, die Bildung einer Arbeiterwehr und die Entlassung aller politischen Gefangenen. Am 20. März versammelten sich viele Arbeiterinnen und Arbeiter, sowie andere Werktätige auf dem Greifswalder Markt. Reichswehrsoldaten warfen aus dem Hinterhalt eine Handgranate in die Menge. Karl Behrend, Bernhard Birkhahn, Erwin Haack, Max Hagen und Ernst Wulff wurden dabei getötet. Ein Gedenkstein steht heute am Dietrich-Bonhoeffer-Platz (ehem. Ernst-Thälmann-Platz).

Doch die Herrschenden gaben nach: Beamte wurden entlassen, die Kapp unterstützt hatten, die Greifswalder Reichswehrgarnision musste ausgewechselt werden und alle Zeitfreiwilligen wurden abgezogen. Am 27. März endete der Generalstreik. Die KPD als auch viele Mitglieder der SPD hatten damit gezeigt, dass es ihnen ernst war für demokratische und soziale Rechte zu kämpfen.

Die KPD nahm Mitte 1920 zum ersten Mal bei Reichstagswahlen teil. In Greifswald entfielen auf sie 1036 Stimmen (6,7%), die USPD erhielt 2170, die SPD nur 857 Stimmen.

Im Herbst 1920 fanden Streiks der Landarbeiter statt. 80 Gutshöfe um Greifswald wurden bestreikt.

Die Novemberrevolution und die Zeit danach ist somit untrennbar mit den Tatsachen, dass die Arbeiterklasse den Frieden erzwang, die Hohenzollernmonarchie und die Fürstenherrschaft in den deutschen Einzelstaaten beseitigte und die bürgerliche Republik schuf. Im ersten Ansturm erkämpften die Arbeiter bedeutende demokratische und soziale Rechte wie die Koalitions-, Presse- und Versammlungsfreiheit, das allgemeine Wahlrecht für Männer und Frauen, den Achtstundentag und das Tarifrecht, sowie die Beseitigung der reaktionären Ausnahmegesetzgebung gegen die Landarbeiter. Allerdings blieb die Macht in den Händen, derjenigen, die die Fabriken und das Geld besitzen.

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