Armut konkret: Mit weniger Lohn kann ich nicht auskommen

Mein Name ist Mareike und ich bin 24 Jahre alt. Ich komme von Rügen, bin aber nach der Realschule, aufgrund meines damaligen Freundes, nach Berlin gezogen. In Berlin habe ich eine Ausbildung zum Gebäudereiniger gemacht. 2015 habe ich die Ausbildung abgeschlossen und wurde in meiner Firma übernommen. Dank der Einführung des Mindestlohns kam ich so über die Runden. Wie es meine Kolleginnen vor mir mit weniger Geld schafften, weiß ich nicht. Nach der Trennung bin ich mit meinem Kind, das 2017 geboren wurde, nach Stralsund gezogen. Hier arbeite ich 38 h bei einer Reinigungsfirma und werde nach Tarif bezahlt. In Berlin habe ich mitbekommen, wie meine Kolleginnen für den Tarifvertrag streikten, bis dieser 2018 für alle galt. Gestreikt habe ich zwar nicht, bin aber in die IG Bau eingetreten. Nun bedeutet für mich die Lohngruppe 1 ein Verdienst von etwa 1.600 € brutto. Mit dem Kindergeld stehen mir ca. 1.400 Euro im Monat zur Verfügung. Die neue Wohnung in Stralsund kostet 450 Euro warm. Große Sprünge konnte ich nicht machen, aber es ging. Wegen Corona hat mein Betrieb nun seit April Kurzarbeitergeld beantragt, und ein Ende ist nicht in Sicht. Seit April bekomme ich 67 % vom Netto, das sind gerade einmal 800 Euro, ich muss jeden Euro umdrehen, und das wenige Ersparte wird weniger. Gerade die Leute, die schon wenig hatten, müssen nun schauen, wo sie bleiben. Wenn jetzt wieder für bessere Löhne gestreikt wird, bin ich auf jeden Fall dabei. Damals habe ich mitbekommen, dass man etwas erreicht, wenn man gemeinsam kämpft!

Mareike S.

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