Wohnungspolitische Positionen der DKP Rostock: Teil I – Bevölkerungsentwicklung und Wohnraumbedarf

Bisherige Bevölkerungsentwicklung
Laut der aktuellen Bevölkerungsprognose (Stand 02/2016) ist die Einwohnerzahl Rostocks zwischen 2005 und 2015 um 8.815 gestiegen.
Im gleichen Zeitraum lag die natürliche Bevölkerungsbewegung durchschnittlich bei jährlich -225 Personen. So sind 2015 beispielsweise 2.310 Menschen in Rostock verstorben, aber nur 2.094 geboren.
Die räumliche Bevölkerungsbewegung hingegen betrug im Jahr durchschnittlich +1.045 Personen. Es gab im Beispieljahr 2015 zwar 10.323 Fortzüge, allerdings übersteigt die Anzahl der Zuzüge mit 12.212 Menschen die Wegzieher deutlich und kompensiert selbst die negative natürliche Bevölkerungsbewegung.
Die Zuzüge kommen fast zur Hälfte aus Mecklenburg-Vorpommern. Die größte Gruppe unter ihnen sind Erwachsene im Alter unter 25 Jahren. Daher kann vermutet werden, dass der Zustrom sich aus der Suche nach Ausbildungs-, Studien- und Arbeitsplätzen begründet. Diese sind im Umland schwerer zu finden.
Wohl auch dadurch ist Rostocks Einwohnerschaft im Vergleich zum Land jünger. Während in Mecklenburg-Vorpommern die zahlenmäßig stärkste Altersgruppe die 50er sind, sind in Rostocker die 20er am stärksten vertreten.

Zukünftige Bevölkerungsentwicklung
Die natürliche Bevölkerungsbewegung bleibt zwischen 2015 und 2035 weiterhin im Minusbereich, nähert sich aber der Null. Dies bedeutet, dass Geburten und Sterbefälle sich in etwa die Waage halten werden. Mit deutlich über 1.000 mehr Zu- als Fortzügen bleibt Rostock eine Zuwanderungsstadt.
Für die Zukunft erwartet die Prognose eine gesteigerte Lebenserwartung, für Frauen von 85,67 Jahre (+2,07) und für Männer von 80,69 Jahre (+3,39) im Jahr 2035. Auch hieraus resultiert eine höhere Bevölkerungszahl.
Auf Grundlage der Zuweisungsquoten für Land und Stadt, kann momentan von einer Aufnahme von 8.800 Flüchtlingen mit Bleibeperspektive ausgegangen werden, inklusive Familiennachzug.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, Rostock wird um rund 25.000 Einwohnerinnen und Einwohner anwachsen.

Wohnraumbedarf in Rostock
Für eine Stadt mit derzeit 207.659 (02/2017) Bewohnerinnen und Bewohnern ergeben sich daraus nicht nur wohnungspolitisch gigantische Investitionserfordernisse. Das gebaut werden muss, scheint unstrittig. Thema in der Stadt ist vorwiegend die Frage nach dem Wo! Zuvor müsste allerdings festgestellt werden wie viel gebaut werden sollte?

Vorausgesetzt, nicht nur die jetzigen rechtskräftigen Bebauungspläne, sondern auch alle laufenden Planverfahren sowie Planverfahren in Vorbereitung werden zu 100 Prozent umgesetzt, entstehen laut Flächennutzungsplan (03/2017) bis 2035 lediglich 6.135 neue Wohneinheiten. Noch weniger als die ursprünglich angedachten 6.475 Wohneinheiten (Anlage Wohnungsbericht, Wohnungsbaupotenziale 11/2016).

Das ergibt im Schnitt über vier Personen pro Wohneinheit. Selbst bei großzügigen Wohnflächen pro Einheit, verfehlt dies die Realität. Lebt doch längst ein Großteil der Leute nicht in Partnerschaft mit zwei Kindern im Haushalt oder in Vierer-Wohngemeinschaften. Der aktuelle Stand von Bevölkerung und Wohnungen ergibt 1,7 Personen pro Wohnung. Ein- und Zweipersonenhaushalte sind also die Regel. Dies als Standard angenommen, besteht ein Bedarf von 14.706 neuen Wohnungen, also von 8.571 Wohnungen mehr als bisher vorgesehen! Der Bedarf ist mehr als doppelt so groß, trotzdem feiert sich die Stadt als würde sie die Wohnproblematik lösen. Das Gegenteil ist der Fall, die Situation auf dem Wohnungsmarkt wird sich deutlich verschlechtern. Da die aufgeführten Zahlen alle samt von der Hansestadt selbst herausgegeben wurden, kann davon ausgegangen werden, dass die Lage sehr wohl bekannt ist.

Fazit: Es muss deutlich mehr gebaut werden.

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