Schöner wohnen in Schwerin?

An mehreren Ecken in Schwerin entstehen neue Wohnungen, ja sogar ganz neue Wohnviertel. Doch was wird da genau gebaut, oder, besser gefragt: für wen wird da gebaut?

Die Landeshauptstadt erlebte in den letzten Jahren einen regelrechten „Bauboom“. Straßen, Plätze, Einkaufszentren, überall wird gebaut. Dies macht natürlich auch nicht vor neuen Wohnquartieren halt. So entstanden z. B. am Ziegelinnensee und in den ehemaligen Waisengärten ganze Wohnviertel innerhalb weniger Jahre.

Für den Neubaukomplex „An den Waisengärten“ wurde eine gesamte Kleingartenanlage, in der sich viele Schweriner erholten, dem Erdboden gleichgemacht. Beste Lage direkt am Schweriner See, Blick zum Schloss und kurze Wege in die Innenstadt – das Nachsehen haben hier nicht nur die Gärtner gehabt. Der Mietspiegel im gesamten Umfeld stieg durch die „Aufwertung“ des Viertels. Dies merkten besonders die ArbeiterInnen, Angestellten und RentnerInnen, die in der Werdervorstadt leben. Die Mietpreise in den Neubauwohnungen können sie sich ohnehin nicht leisten (abgesehen davon, dass es sich hier hauptsächlich um Eigentumswohnungen handelt).

Ein weiteres Neubaugebiet, das in den letzten Jahren entstanden ist, ist direkt am Ziegelinnensee zu finden und umfasst die Alte Brauerei „Schwank und Schall“, die anliegenden Industriehallen sowie die Uferpromenade um den Ziegelsee herum. Auch hier wurde für Besserverdienende und Wohlhabende ein eigenes Domizil geschaffen, das sich Menschen mit einem niedrigen oder einfachen Einkommen nicht leisten können, die dadurch aus ihrem alten Umfeld verdrängt werden.

Gleichzeitig lässt sich in Schwerin eine vermehrte Konzentration von einkommensschwachen Bevölkerungsschichten in den Stadtteilen Lankow, Mueßer Holz und Krebsförden beobachten. Durch Aufwertung, Modernisierung und Luxussanierung können Teile der Arbeiterklasse die steigenden Mietpreise in der Innenstadt nicht mehr zahlen. Bezahlbare Wohnungen in der City sind Mangelware, was bleibt, ist der Umzug in die Platte, ins „Ghetto“. Noch stärker betroffen sind Arbeitslose, Azubis oder Rentner, die außer in den sozialen Brennpunkten der Stadt kaum eine Wohnung finden. Gentrifizierung und Ghettoisierung sind vorprogrammiert, der soziale Abstieg beschleunigt sich.

Wer behauptet, bezahlbarer Wohnraum für alle sei zu teuer, der macht sich die Angelegenheit zu einfach. Allein durch die Einführung einer Millionärssteuer und den Stopp der Rüstungsausgaben könnten bundesweit 66 Milliarden Euro für soziale Zwecke locker gemacht werden. Langfristig gesehen, muss der soziale Wohnungsbau Vorrang vor Luxussanierungen und Neubauten für Wohlhabende haben. Sozialer Wohnungsbau in der Innenstadt ist zu fokussieren.

Kommentare sind geschlossen.