Kurzbericht über das DKP-Bildungswochenende „„Antifaschismus – was heißt das heute?“

Am Wochenende vom 20. zum 22. März 2015 führte die DKP Mecklenburg-Vorpommern in Barhöft bei Stralsund eine Bildungsveranstaltung zum Thema „Antifaschismus – was heißt das heute?“ durch. Im Rahmen des Bildungswochenendes tauschten sich die knapp 20 Teilnehmenden, unter ihnen auch Gäste aus Berlin und Brandenburg, rege über die Perspektiven der antifaschistischen Bewegung auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene aus.

Im Zentrum des theoretischen Teils stand die Frage nach der Aktualität der Begriffsbestimmung des Faschismus im Hinblick auf dessen Klassencharakter sowie seine Klassenbasis. Dies wurde erarbeitet auf der Grundlage von Georgi Dimitroffs „Arbeiterklasse gegen Faschismus“ (1935). Der Klassencharakter des Faschismus lässt sich als das Streben der „reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“ nach Alleinherrschaft in Gestalt einer offenen, terroristischen Diktatur bestimmen. Vom Klasseninteresse eines Teils des Finanzkapitals an der Ersetzung der bürgerlichen Demokratie durch eine faschistische Diktatur ist die – für die Errichtung einer solchen Diktatur unverzichtbare – gesellschaftliche Basis des Faschismus zu unterscheiden, nämlich erhebliche Teile des (deklassierten) Kleinbürgertums und auch rückständigster Schichten des Proletariats. Im Zusammenhang mit der Begriffsbestimmung des Faschismus wurde herausgestellt, dass die Bezeichnung „Neofaschismus“ dazu geeignet ist – und oftmals dafür eingesetzt wird –, von der Identität aktueller faschistischer Bewegungen mit den „klassischen“, vermeintlich überwundenen im Hinblick auf die ihnen zugrunde liegenden Klasseninteressen abzusehen. Die diesbezügliche Kontinuität faschistischer Bewegungen in ihrer Funktionalität im Sinne der Interessen eines Teils der imperialistischen Monopolbourgeoisie gilt es herauszustellen. Daher sind Versuche, gegenwärtige faschistische Aktivitäten kleinzureden, ebenso zurückzuweisen wie die Neigung, alle möglichen rechtsreaktionären Umtriebe als „faschistisch“ einzustufen und somit zur Verschleierung der Spezifika des Faschismus beizutragen.

Die Herausforderungen, die sich für Kommunisten und andere Antifaschisten aus reaktionären und – in mehr oder weniger starkem Maße – faschistisch durchsetzten Bewegungen wie „Pegida“ oder „MVgida“ ergeben haben, führte der Referent Robert Kühne aus. Dabei ging er ausführlicher auf die auf lokaler und regionaler Ebene konkretisierbaren Möglichkeiten eines breiteren Zusammenschlusses unterschiedlicher politischer und gesellschaftlicher Kräfte ein. Der Referent Daniel L. Schikora stellte anhand der Geschichte des deutschen Antifaschismus seit 1945 unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) die Notwendigkeit der Verteidigung des historisch-politischen Traditionsbestandes der Organisationen des antinazistischen Widerstandes heraus. Hinsichtlich der verschiedenen Optionen antifaschistischer Bündnisarbeit bestand Einigkeit darin, dass aus kommunistischer Sicht kein Grund besteht, auf bewährte Formen der gleichberechtigten Zusammenarbeit aller Antifaschistinnen und Antifaschisten zu verzichten, ebenso wenig wie es geboten wäre, von grundlegenden Kategorien und Erkenntnissen etwa von Dimitroffs Analyse des Faschismus abzugehen. Die Notwendigkeit, antifaschistischen und antiimperialistischen Kampf als eine Einheit zu propagieren, tritt nicht zuletzt in Anbetracht des Umstandes zutage, dass eine mörderisch agierende neonazistisch durchsetzte Putschregierung in Kiew nicht zuletzt dem deutschen Imperialismus seine Existenz verdankt. Allein dies führt vor Augen, dass Antifaschismus und proimperialistischer „Burgfrieden“ unvereinbar sind.

Nicht unerwähnt bleiben soll das vielseitige kulturelle Rahmenprogramm des Wochenendes, beginnend mit einem Arbeiterliederabend über eine Wanderung in den beschaulichen Gefilden Vorpommerns am darauffolgenden Tag bis hin zu einem unvergesslichen Filmabend, der ein breites Spektrum fortschrittlicher Kunstproduktion abzudecken vermochte.

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