„Die Völker wurden seiner Herr“ (Bert Brecht)

Der 8./9. Mai 1945 steht für die vernichtende Niederlage des Hitlerfaschismus gegen die Anti-Hitler-Koalition unter der Führung der sozialistischen Sowjetunion, Großbritanniens und der USA – der Koalition, aus der die Vereinten Nationen hervorgingen. Es sagt einiges über die politische Gegensätzlichkeit der beiden deutschen Staaten aus, in welcher Weise sich die DDR und die BRD jeweils gedenkpolitisch zu diesem Tag positionierten: Die DDR würdigte ihn als Tag der Befreiung, in Westdeutschland hingegen wurde jahrzehntelang offiziell der Aspekt der „Niederlage“, ja, der „Katastrophe“ hervorgehoben, womit die Perspektive der militärischen Verlierer, der deutschen Faschisten, eingenommen wurde.

Die zunehmende Aggressivität des Staates der deutschen Monopole nach allen Seiten spiegelt sich heute auch in der immer offeneren Infragestellung der Standards internationaler Gedenkpolitik wider. So äußerte die Bundesregierung sich kürzlich im Hinblick auf den Jahrestag der Schlacht von Stalingrad: „Die Einordnung damaliger militärischer Handlungen der Wehrmacht als verbrecherisch im strafrechtlichen Sinne ist einzelfallbezogen vorzunehmen.“

Nun, die zivilisierte Welt hat den gewaltsamen Tod von 27 Millionen Sowjetbürgern niemals „einzelfallbezogen“ betrachtet. Geschichtspolitische Provokationen dieser Art führen vor Augen, dass selbst solche historischen Erkenntnisse, die unter Nichtfaschisten bis vor kurzem als völlig selbstverständlich galten, gegenüber einer mittlerweile auch regierungsoffiziellen Umdeutung verteidigt werden müssen. Die Bundesregierung selbst dokumentiert damit (wohl ungewollt), dass Antifaschismus, Antimilitarismus und Klassenkampf eine programmatische Einheit sind.

Wer das Vermächtnis des 8./9. Mai verteidigen will, wird nicht umhinkommen, der Gewaltpolitik des gegenwärtigen deutschen Imperialismus auf allen Feldern entgegenzutreten.

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